Anamnese der jetzigen Erkrankung
Ein 34-jähriger männlicher Patient wird nach einer Schlägerei bei einem Billardspiel in einer Sportsbar durch den Rettungsdienst in die Zentrale Notaufnahme (ZNA) eingeliefert. Er erlitt ein penetrierendes Thoraxtrauma, als ein Kontrahent ihn mit einem amerikanischen Fahnenmast im rechten Thorax aufspießte. Der Gegenstand befindet sich in situ. Der Patient ist bei Ankunft wach, orientiert und agitiert/wehrhaft.

Verlauf in der Notaufnahme
Triage & Initiale Beurteilung
Eintreffen des Rettungsdienstes mit penetrierendem Thoraxtrauma.
Triage & Initiale Beurteilung
Eintreffen des Rettungsdienstes mit penetrierendem Thoraxtrauma.
Klinische Entscheidungsfindung
Der Patient weist eine transthorakale Pfählungsverletzung auf. Die primäre Sorge gilt einem Spannungspneumothorax, einem massiven Hämatothorax oder einer direkten Verletzung des Herzens bzw. der großen Gefäße. Die hämodynamische Stabilität (RR 132/87) mit nur leichter Tachykardie (HF 112) ist beruhigend. Der pfählende Gegenstand muss zwingend in situ belassen werden, um ein akutes Verbluten durch Aufheben der Tamponade zu verhindern.
Diagnostik & Befunde
Befunde:
- Amerikanischer Fahnenmast in den rechten Thorax gespießt
- Leichte Hypoxie, die unter High-Flow-Sauerstoff rückläufig ist
- Tachykard, aber hämodynamisch stabil
Maßnahmen
- Sauerstoffgabe 15 l/min über Non-Rebreather-Maske
- Stabilisierung des pfählenden Gegenstands
⮑ Verlauf & Reassessment
Der Patient ist hochgradig agitiert und schreit seinen Kontrahenten quer durch den Schockraum an.
POCUS-Beurteilung & Interventionsplanung
Secondary Survey und Beurteilung der Integrität des Pleuraspalts.
+2
POCUS-Beurteilung & Interventionsplanung
Secondary Survey und Beurteilung der Integrität des Pleuraspalts.
Klinische Entscheidungsfindung
Bei einem in den rechten Hämithorax gespießten Gegenstand ist ein Pneumothorax sehr wahrscheinlich. Der bettseitige Ultraschall (eFAST) bestätigt ein fehlendes Pleuragleiten (Lung Sliding) und diagnostiziert somit einen Pneumothorax. Der Patient benötigt eine Thoraxdrainage zur Entlastung des Pleuraspalts und zur Überwachung auf anhaltende innere Blutungen (Hämatothorax) vor der definitiven operativen Extraktion. Es wird eine 20-Charrière (Ch) Thoraxdrainage ausgewählt.
Diagnostik & Befunde
- POCUS (Point-of-Care-Ultraschall) / eFAST
Befunde:
- Fehlendes Pleuragleiten rechts, was einen rechtsseitigen Pneumothorax bestätigt
Maßnahmen
- Vorbereitung zur Anlage einer 20-Ch-Thoraxdrainage
- Chirurgisches Konsil zur sofortigen Verlegung in den OP
⮑ Verlauf & Reassessment
Der Patient äußert Unglauben darüber, dass er operiert werden muss, und fordert die Ärztin auf, die Stange 'einfach rauszuziehen'. Die Ärztin weigert sich korrekterweise und bereitet ihn für den OP vor.
Klinische Medien


Diagnosen & Disposition
Diagnosen im Verlauf
- [Triage & Initiale Beurteilung]Penetrierendes Thoraxtrauma
- [POCUS-Beurteilung & Interventionsplanung]Rechtsseitiger traumatischer Pneumothorax
Aktuelle Disposition
Verlegung in den Operationssaal zur Extraktion des Fremdkörpers und chirurgischen Exploration.
Fallanalyse
Episodenkontext
Barrett Dunkle dient als archetypisches, hochvisuelles und bizarres Feiertagstrauma, das das Chaos einer Schicht am 4. Juli veranschaulichen soll. Seine Verletzung, humorvoll als 'Iwo-Jima-Pfählung' bezeichnet, gibt den Ton an für das rasante Tempo, mit dem die Ärzte bei gleichzeitiger Personalunterbesetzung umgehen müssen.
Oberärztliche Beurteilung
Medizinische Genauigkeit
Der Umgang mit dem pfählenden Gegenstand ist sehr akkurat: Das Schockraum-Team weigert sich ausdrücklich, der Forderung des Patienten nachzukommen, ihn einfach 'herauszuziehen', was ein entscheidender Grundsatz in der realen Traumatologie ist. Die Verwendung von POCUS zur Diagnose eines fehlenden Pleuragleitens entspricht dem medizinischen Standard und ist äußerst präzise. Die Wahl einer 20-Charrière-Thoraxdrainage ist jedoch leicht umstritten; während neuere Literatur kleinere Pigtail-Katheter (14-20 Ch) bei Pneumothoraces und sogar einigen Hämatothoraces unterstützt, empfehlen traditionelle ATLS-Richtlinien bei Verdacht auf signifikante Blutungen (Hämatothorax) oft großlumigere Drainagen (28-32 Ch), um zu verhindern, dass die Drainage durch Koagel verstopft.
Komplikationen & Fehler
- Die Umgebung in der ZNA ist chaotisch, da zwei wehrhafte Patienten nebeneinander platziert wurden. In einem echten Trauma-Zentrum würde der Sicherheitsdienst die Kontrahenten räumlich trennen, um eine weitere Eskalation zu verhindern und einen sicheren klinischen Arbeitsbereich zu gewährleisten.
Klinische Pearls
Einen pfählenden Gegenstand niemals in der Notaufnahme entfernen. Die Objekte wirken als Pfropf; das Entfernen kann die Tamponade lösen und zu unkontrollierbaren Hämorrhagien (Verbluten) führen. Den Gegenstand immer stabilisieren und den Patienten in den OP verlegen.
Die eFAST-Untersuchung ist hochsensitiv für die Erkennung eines Pneumothorax. Ein fehlendes Pleuragleiten im B-Bild oder das 'Barcode-/Stratosphären-Zeichen' im M-Mode weist darauf hin, dass sich Pleura visceralis und parietalis voneinander getrennt haben.
Ein hämodynamisch stabiles penetrierendes Thoraxtrauma ohne unmittelbare Indikation für eine Notfallthorakotomie (z. B. Verlust der Vitalfunktionen bei engem Zeitfenster) sollte mit einer Thoraxdrainage und einer zügigen Verlegung in den OP zur definitiven chirurgischen Exploration versorgt werden.
Optimale POCUS-Platzierung zur Beurteilung eines Pneumothorax: Bei einem liegenden Patienten sammelt sich freie Luft anterior an. Platzieren Sie einen hochfrequenten Linearschallkopf longitudinal (Sagittalebene) in der Medioklavikularlinie, typischerweise zwischen dem 2. und 4. Interkostalraum. Stellen Sie zwei benachbarte Rippen mit ihrer posterioren Schallauslöschung dar, um die dazwischen aufgespannte Pleuralinie korrekt zu identifizieren (das 'Fledermaus-Zeichen' / 'Bat-Sign').


